Die Geschichte des Lanz begann schon etwa 1912 in Mannheim. Damals entstand der sogenannte "Landbau-Motor" nach Patenten eines ungarischen Konstrukteurs. Der weithin bekannte Lanz-Bulldog begann seinen Erfolgszug 1921. Er war weltweit der erste Schlepper, der mit billigem Schweröl betrieben werden konnte. Der Einsatz eines Verbrennungsmotors in der Landwirtschaft war damals revolutionierend. Allerdings konnte erst zwei Jahre später ein Lanz angeboten werden, der auch ackertauglich war. Dieses Modell hatte Allradantrieb und Knicklenkung. Ein Schaltgetriebe gab es noch nicht, und so mußte zur Rückwärtsfahrt der Motor umgesteuert werden. Der Preis lag damals bei etwa 7000 Mark. Der Lanz war auch der erste deutsche Schlepper, der am Fließband gefertigt wurde (Großbulldog HR2). Seine enorme Wirtschaftlichkeit brachte ihm den großen Erfolg. Durch die Serienfertigung konnte der Bulldog für etwa 5500 Reichsmark verkauft werden. Ab 1929 wurde die Verdampfungskühlung durch eine Kühlung nach dem Konvektorprinzip ersetzt. Zu dieser Zeit gab es dann auch schon ein Schaltgetriebe mit einem Rückwärtsgang. Nachdem die schwierige Zeit der Weltwirtschaftkrise überwunden war, entwickelte sich die Lanz AG Mitte der 30er Jahre wieder zum erfolgreichstem Schlepperproduzenten in Deutschland. Dem Lanz-Bulldog folgten über die Jahre viele verschiedene Exemplare. Mit ca. 200000 verkauften Bulldogs war der Lanz über lange Zeit der erfolgreichste Schlepper auf dem Markt. 960 wurde die Produktion der Bulldogs eingestellt. Zu dieser Zeit hatte bereits John Deere das Werk übernommen und später mit einer eigenen Schlepperproduktion begonnen.


Der Lanz-Bulldog als Meilenstein der Traktorengeschichte gehört zwar nicht direkt in unsere Sammlung (Historische Traktoren der DDR) - ist aber wie gesagt ein Meilenstein. Die Familie in Spitzwitz (bei Bautzen), die ihn verkauft hat, setzte ihn noch bis zum Verkauf in ihrer privaten Landwirtschaft ein und war dann doch bei seiner Abholung etwas traurig, dieses Unikum zu verlieren. Der Bulldog ist noch in fast originalem Zustand und bedurfte auch außer dem Wechsel einiger Dichtungen kaum einer Überholung. Am Lehrstuhl Landmaschinen ist es zur Tradition geworden,daß nach einer Dissertation der frischgebackene Doktor eine Runde auf dem Bulldog dreht. Die Schwierigkeit hierbei ist das Anlassen des Lanz. Angeworfen wird er mit dem abnehmbaren Lenkrad, wobei entgegengesetzt der Drehrichtung angedreht wird, der Kolben den oberen Totpunkt aber nicht überwindet, sondern zündet und entgegengesetzt, also in Drehrichtung anläuft. Vorsicht dabei ist den Fingern des Anwerfers geboten. Der Zylinderkopf (Glühkopf) muß während des Anwerfvorganges glühen. Dies geschieht durch Vorglühen mit einer Lötlampe. Läuft der Lanz erst einmal, erkennt bzw. erhört man ihn schon von weitem durch die charakteristische Geräuschentwicklung des Motors.